Die menschliche Stimme
Das Ein-Frau-Stück von Jean Cocteaus wurde 1930 in Paris
als Einakter "La voix humaine" (deutsch: Die menschliche Stimme)
uraufgeführt und hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Klassiker
entwickelt: Schauspielgrößen wie Anna Magnani, Hildegard Knef, Ingrid Bergmann
oder Klaus Kinski haben sich an diesem Stoff versucht. Francis Poulenc hat aus dem Einakter
die Ein-Frau-Oper „Die menschliche Stimme“ komponiert. Sie wurde am 6. Februar
1959 an der Komischen Oper in Paris uraufgeführt ist nicht nur unglaublich schwer zu singen,
sondern auch schwer zu spielen - denn es wird fast eine Stunde lang auf der
Bühne nichts anderes getan als telefoniert. Darin liegt der Reiz: Ein Monolog
mit dem unsichtbarem Gegenüber und rein psychologischer Dramaturgie, in dem die
Tiefen einer beendeten Beziehung ausgelotet werden.
Alexia Basile ist diese Rolle auf den Leib geschrieben, in
der Anlehnung an eine Inszenierung von Susanne Solveig Meyer, bewegt sie sich
auf der Bühne wie ein gefangenes Tier, belauert das Telefon: die letzte existierende
Verbindung zum Ex-Geliebten. Das Klingeln des Telefons verheißt deshalb Erschütterung,
Hoffnung, Freude und Niedergeschlagenheit. Verbindungs-schwierigkeiten oder
falsche Anrufer wirken nervtötend. Dann ist es soweit: ER ist endlich am
anderen Ende der Leitung. Bei diesem Abschiedsgespräch, das immer wieder
unterbrochenen wird, singt sich Alexia Basile durch einen Dschungel aus Lügen, und
Selbstanklagen. Immer wieder bricht sie zusammen, weil sie sich selbst um Kopf
und Kragen redet.
Alexia Basile bildet die Psyche peinlichst genau ab und das
Publikum wird von Anfang an zum heimlichen Voyeur, der fasziniert und manchmal
mitleidig dem Monolog der Abhängigen lauscht: Wer kennt sie nicht? Die uferlose
Sehnsucht, die Verletzung und die unendliche Ratlosigkeit, wenn eine Liebe zu
Ende geht?
Perfekt in dieses Bild passt jede Geste, jeder gesungene
Ton von Alexia Basile: Schon das kleinste Kopfnicken, ein Zucken mit den
Schultern oder das Wechseln des Ohres beim Telefonat gibt Auskunft über den
Stand der Dinge.
Alexia Basile sorgt mit ihrer schauspielerischen Präsenz, dass die Spannung dieser dramatischen Oper nie abreißt und das Publikum fest in ihren Bann zieht.
Dauer: ca. 50 Minuten, mit Pianist
